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Ein Shop geht offline – So verbinden Sie die digitale Verkaufswelt mit der Offline-Realität

07.09.2016 | Meine Arbeiten & Projekte | Keine Kommentare

Ein Shop geht offline – Ist der etwa verrückt?

Ja, alle Welt geht online, der Einzehandel leider immer noch zu wenig. Und dann gibt es einen Online-Shop, der freiwillig und ganz bewusst offline geht? In der Tat sagte sich ein Jungunternehmer:“ Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen.“ Denn er hat seinen Kunden sehr genau zugehört und zustzlich positive Erfahrungen mit Lagerverkäufen aus seinem Online-Geschäft gemacht. Und wenn dann, wie in diesem Fall, eine Standort-Symbiose mit einer großen Tierklinik als Nachbar im Angebot steht, na, dann kann doch nichts mehr schiefgehen. Der etablierte Online-Shop hat nun ein „Gesicht“ bekommen und der Zulauf an den Eröffnungstagen sprach für sich. Aber machen wir eine kleine Zeitreise – drei Monate zurück.

 

 

 

Was zuvor geschah…

Klein, aber fein und besonders sollte es sein, so der Wunsch aus meinem Erstgespräch mit dem Internetmarketer, Generation 2.0.

Also, habe ich ein Gestaltungskonzept erarbeitet, dass online und offline miteinander verbindet und welches hauptsächlich in Eigenleistung umsetzbar sein sollte, denn das war ebenfalls ein Kriterium.  Es gab bautechnische Einschränkungen, was die Wände bestraf und der Fußboden war vorgeschrieben. Die kleine Verkaufsfläche soll die vielfältige Produktpalette wiedergeben, die auch Online zu haben ist. Kompetenz und Philosphie des Jungunternehmers muss sich im Verkaufsraum widerspiegeln. Es sollte eine erlebnisbetonte Ladengestaltung werden, um Neu- und Laufkunden  zu gewinnen. Hier das Ergebnis:

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Emotionale Ansprache durch die Silhouetten, die schon vor der Ladentür Kunden einladen. Überraschende Gestaltungselemente im Geschäft. Die sind zwar im Grundriss nicht ablesbar, aber vorhanden.

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Der Tresen ist der zentrale Anlaufpunkt für die Kunden. Der Verkäufer ist präsent, aber lässt Stöberkunden Ihren Freiraum.

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Die Kaubar ist sozusagen die Probierstube für Neukunden

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Online und Offline verbinden sich im Laden und künftig sogar mit einem interaktiven Schaufenster

 

Es muss nicht gleich alles perfekt sein, wichtig ist, dass es überhaupt ein Konzept gibt, um online und offline schlüssig miteinander zu verbinden und dass der Einkauf zum Erlebnis wird. Meist geht es kurz vorm Eröffnungstermin drunter und drüber oder es gibt Verzögerungen, auf Sie keinen direkten Einfluß haben. Gerade, wenn viel in Eigenleistung umgesetzt wird, ist das nicht ungewöhnlich. Bei dieser Eröffnung fehlten auch noch einige Details, wie z. B. die Silhouetten. Die werden in Kürze angebracht, genauso wie die Fassadengestaltung. Inzwischen gibt es bei sommerlichen Temperaturen handgemachtes Hunde-Eis im Angebot. Für die Patienten der Tierklinik nebenan bestimmt ein gutes Mittel gegen den Stress.

Sie sehen, dass ein Erlebnis-Shop auch mit wenigen Mitteln umsetzbar ist. Und trotzdem kämpfen Städte mit folgenden Schlagzeilen:

 

„Der stationäre Handel stirbt!“

 

 

So, oder ähnlich ist es immer wieder zu hören oder zu lesen. Aber warum ist das so? Dabei wird konsumiert und Zahlen belegen sogar, dass eher mehr und häufiger gekauft wird.

Ja, ja das Internet ist Schuld – und ja, ich kaufe auch dort. Es ist einfach schnell, informativ und bequem. Mal ehrlich, kaufen Sie alles im Laden um die Ecke? Ich gehe auch sehr in den stationären Handel auf hautnahe Entdeckungsreise. Wenn es denn, außer den Produkten selbst, etwas zu entdecken gibt. Viele Läden überraschen mich als Kunden leider überhaupt nicht. Ich sehe Produkte auf entsprechend passenden Warenpräsentern, das Verkaufspersonal ist mehr, oder leider auch weniger an mir als Kunden interessiert. Von prickelnder Überraschung, Humor, Staunen oder außergewöhnlichen Materialien keine Spur. Bestenfalls stimmt das Farbkonzept mit den Firmenfarben überein.

 

 

 

Shop-Boreout

Es gibt aber auch Läden, da gehe ich trotz dieser beschriebenen Gestaltung gern hin, weil mich z. B. der persönliche Kontakt und Service überzeugen. Ich würde diesen Laden aber niemals einfach so aufsuchen, sondern nur, wenn ich etwas benötige, was ich dort bekommen kann. Und tatsächlich verhält es sich so, dass solche Geschäfte oft Probleme mit der Neukundengewinnung haben. Haben Stöberkunden nämlich keinen persönlichen herausragend positiven Erstkontakt oder ist das Produktangebot nicht ebenso außergewöhnlich, ist der Laden vergessen, wenn der Kunde um die nächste Ecke gebogen ist. Mich überkommt dann schlicht Borout – meine Verweildauer reduziert sich auf den kleinst möglichen Rundgang. Reiner Versorgungshandel ist definitiv out.

 

 

Shop-Burnout

Dann gibt es noch eine andere Kategorie Laden, wo ich sehr gern die Flucht ergreife. Das ist die Mehr-ist-Mehr Fraktion unter den Ladenbesitzern. Sie werden überhäuft mit Aktionen, Angeboten, Clubkarten und Informationen. Die Verkäufer sind kundenfixiert, äußerst redselig und erklären ihr Produkt so ausführlich, dass ich hinterher zum Thema promovieren könnte. In allen Ecken des Shops blinkt es oder erzählt ein Bildschirm etwas anderes. Jeder Gestaltungstrend allgemein und aus dem Einzelhandel ist im Geschäft nachzuvollziehen. Am Ende weiß ich gar nicht mehr, was ich eigentlich dort kaufen wollte. Natürlich überspitze ich gerade, aber eins ist sicher: mich sehen solche Läden nie wieder und auch da bin ich nicht die einzige. Als Einzelhändler sollte ich eben nicht nur meine Zielgruppe kennen, sondern auch deren Bedarfe, Vorlieben und Abneigungen.

 

 

 

Shop-Adventure

Das mit der Entdeckertour meine ich wörtlich. Menschen möchten heute in Läden etwas schönes erleben und mit einem zufriedenen Prickeln wieder rausgehen. So ein Geschäft bietet überraschende Akzente, die mit Licht, Farben, Einrichtung, Duft, lebendigen Kontrasten und Requisiten umgesetzt sind. Die Angebotsvielfalt ist anhand von wechselnden geordneten und strukturlosen Bereichen zu erkennen. Sie sehen Platzierungen zu einem bestimmten Thema, was eine wunderbare Inspiration zur Verwendung der Produkte  und Produktgruppen darstellt. Und jedes Mal, wenn Sie diesen Shop betreten, gibt es etwas Neues zu entdecken. Und natürlich ist eine reale und virtuelle Shopwelt, die eine direkte Verbindung haben, vorhanden. In welchem Ausmaß die Verbindung stattfindet, liegt am Konzept und was zu Ihnen und Ihrer Zielgruppe passt. Wenn dann Service, Kommunikation und Kompetenz stimmen, kann ich gar nicht anders, ich will ein Stammkunde werden.

Wo kann ich mich dafür bewerben?

Merken Sie was? Der Kunde wird plötzlich zu ihrem Fan. Er möchte Teil Ihrer Verkaufswelt werden. Das macht Ihnen nicht nur das Verkaufen leichter, sondern Sie entwickeln damit eine aufrichtige vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Kunden. Vom Verkäufer zum Animateur und „Freund“, der zufällig die passenden Produkte parat hat.

Solche Geschäfte gibt es und ich bin dann geradezu enthousiastisch, wenn ich mich darin aufhalten kann. Dann stöbere ich ganz ausführlich in allen Ecken und geniesse ich Atmosphäre.

 

 

 

Was das wieder kostet!….

Das Erlebnis-Prinzip beruht auf Höhepunkte in einzelnen Zonen, die sich vom übrigen Verkaufsfeld abheben. Dabei sollte ein roter Faden in der Gestaltung erkennbar sein und in den nächsten Bereich überleiten. Es ist also eine Grundlage zu einem Gestaltungskonzept und lässt es sich mit großem oder kleinem Budget umsetzen. Probieren Sie es aus! Ich verspreche, Sie werden überrascht sein, was es bewirkt.

Wie muss ihr perfekter Shop aussehen? Egal ob Kunde oder Ladenbesitzer, was wünschen Sie sich beim Einkaufen? Lassen Sie uns diskutieren, z. B. unten im Kommentar.

 

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

Raumgestaltung-als-Erlebnis-Junkie



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