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Kinderzimmer SINNvoll gestalten – Der Baubiologe weiß Rat

04.10.2016 | Einrichtungstipps | Keine Kommentare

Die Gestaltung eines Kinderzimmers ist ganz häufig ein Spagat zwischen Kinderwünschen und Bedenken der Eltern. Sie, als Eltern wollen natürlich das Beste für Ihren Nachwuchs. Gleichzeitig ist das gerade heutzutage immer schwieriger zu erreichen, denn das vermeintlich Beste ist nicht zwingend förderlich für die Gesundheit der Kinder. Auf was sollten Sie grundsätzlich aus gesundheitlicher Sicht bei der Auswahl der Einrichtung achten, insbesondere, wenn ihr Kind hochsensibel ist?

Rat weiß die Baubiologie. Ein noch recht junges Berufsfeld, das u. a. Wandfarben, Bodenbeläge und Möbel auf Herz und Nieren hinterfragt und prüfen lässt.

Ich habe nachgefragt bei Dipl.-Ing. Jürgen Harder, Gründer und Leiter der Akademie Bauen Wohnen Gesundheit aus Hamburg. Jürgen Harder hat umfassende Erfahrung im Bereich Hausbau und als Baubiologe und Gesundheitscoach berät er seit vielen Jahren private und gewerbliche Kunden auf dem Weg zu einem gesunden Wohn- und Arbeitsumfeld.

 

 

Gastbeitrag Baubiologe Dipl.-Ing Jürgen Harder

Kindergesundheit selbstverständlich?

Die kindliche Gesundheit ist durch Schadstoffe aus Baumaterialien, Einrichtungsgegenständen und Hausstaub um ein Vielfaches mehr gefährdet, da sie sich noch im Wachstum befinden und im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Schadstoffe aufnehmen als Erwachsene.

Höhere Lebenserwartungen und bessere Lebensbedingungen sind der Trend – früher und häufiger auftretende, oftmals schwere Erkrankungen stehen dem entgegen. Insbesondere hat sich der Gesundheitszustand von Kindern in den letzten 20 Jahren deutlich verschlechtert: Laut  „Kinderreport Deutschland“ leiden mehr als 25 Prozent der Kinder an chronischen Erkrankungen wie Asthma und Allergien – Tendenz zunehmend.

 

 

 

Schadstoffarm ist die Devise!

Das Angebot an Einrichtungsgegenständen, Wandfarben und Bodenbelägen, wie auch Materialien für Bett und Wäsche ist riesig. Aber, was ist die „richtige“ Wahl?

Baubiologisch wertvolle Anstriche sind nicht nur optisch schön, sondern auch durchlässig für Wasserdampf. Sie geben keine Schadstoffe ab und laden sich nicht elektrostatisch auf. Im baubiologischen Fachhandel finden Sie eine Vielfalt unterschiedlicher Anstriche: Naturharzdispersionen, Kalkanstriche, Silikat- und Kaseinfarben sind nur einige Beispiele dafür. Die wunderschönen Farbtöne lassen keine Wünsche offen und erzeugen eine heimelige Atmosphäre. Die meisten Produkte sind sogar für den kreativen Heimwerker geeignet.

Für Kleinkinder ist der Boden ihre „Spielwiese“ und bedarf besonderer Beachtung, denn er kann die Gesundheit der Kleinen stark beeinflussen. Elektrostatische Aufladungen sind ebenso wenig gewünscht wie schadstoffhaltige Kleber, Weichmacher oder andere gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe.

 

 

 

Da liegt was in der Luft

Sie haben es selbst schon mal erlebt: Die Haare stehen Ihnen zu Berge, wenn Sie einen Synthetikpulli über den Kopf gezogen haben – elektrostatische Ladungen sind hier im Spiel.

Beim Laminat oder Vinylboden beispielsweise bedeutet das: Wann immer wir mit Schuhen, Socken oder Pfoten über den Boden laufen entsteht Reibung – der Boden wird elektrostatisch geladen. Die Folge ist ein verändertes Elektroklima, das nachweislich eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden spielt und die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ihres Kindes beeinträchtigen kann. Das natürliche Gleichgewicht der Sauerstoffionen in der Raumluft wird durch die erhöhte Elektrizität in der Luft verändert. Es fühlt sich an wie kurz vor einem Gewitter. Staub wird aufgewirbelt und angezogen, das komplette Raumklima verschlechtert sich. Und zu guter Letzt: Der Staub sammelt sich am Boden, genau dort wo unsere Kinder krabbeln und spielen – und den Staub mitsamt der Schadstoffe einatmen. Eine schlimme Vorstellung!

 

 

 

Der Fußboden

Bei natürlichen Fußböden, wie Linoleum, Kork, Parkett oder Holzdielen schaffen Sie dagegen eine fußwarme und behagliche Atmosphäre, die sich nicht elektrostatisch auflädt.

 

TIPP

Weichen Sie deshalb möglichst auf gesunde Materialien, die das Raumklima positiv beeinflussen, aus. Auch fußwarme Teppichböden mit einer Nutzschicht aus natürlichen Fasern wie Wolle, Sisal oder Jute sind zu empfehlen. Bei Wollteppichen gilt es aufzupassen: Viele werden mit Pestiziden gegen Mottenfraß ausgerüstet. Das sind Nervengifte, die der Gesundheit schaden. Auf Fußbodenkleber sollte möglichst verzichtet werden. Stattdessen lässt sich die Auslegeware verspannen oder mit Doppelklebeband fixieren.

Foto:SSB

Wenn Sie sich unsicher fühlen, zögern Sie nicht einen Fachmann zu Rate zu ziehen, schießlich geht es beim Bodenbelag um eine langfristige und kostenintensive Investition. Bei Parkettböden wenden Sie sich an einen Parkettleger. Für Linoleum, Kork und Teppichböden ist ein Raumausstatterbetrieb der richtige Ansprechpartner. Beide Experten verfügen über umfangreiche Produktkenntnisse, haben Kontakt zu den Herstellern und können Ihnen Auskunft über die Verarbeitung und Zusammensetzung der Produkte geben. Oder Sie wenden sich gleich an einen baubiologischen Fachhandel.

 

 

 

Die Möblierung

Vollholzmöbel, deren Oberflächen mit natürlichen Ölen oder Wachsen behandelt sind, sind nicht nur haltbarer und langlebiger, sondern tragen auch zur besseren Gesundheit der Kinder bei. Außerdem lassen sich Abnutzungsspuren einfach reparieren und ausbessern.

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Also, in jeglicher Hinsicht eine nachhaltige Anschaffung. Zusätzlich sind Ausdünstungen von Formaldehyd aus Spanplatten oder Lösungsmitteln aus den Beschichtungen damit passé.

 

TIPP

Achten Sie auch darauf, dass nicht nur die Fronten der Möbel aus Vollholz, stabverleimten Vollholzplatten oder Drei-Schicht-Platten sind, sondern auch Schubladenteile und Rückwände. Sollte doch einmal ein „billiges“ Möbelstück aus beschichteten Spanplatten dabei sein, dann achten Sie bitte darauf, dass alle Schnittkanten mit einem Umleimer versehen sind: Das reduziert die Schadstoffemission erheblich.

 

 

Das Kinderzimmer – die technische Hochburg

istock_000002204721mediumWir wollen jederzeit wissen, dass es gerade den Kleinsten gut geht. Zur Überwachung sind Babyphone daher der Renner: Wir können hören und sehen, was im Babybett passiert. Dank hochfrequenter Strahlung! Doch gerade diese ist es, die dem Kind Stress macht – ein Dauersender, der auf Dauer Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, bis hin zur Förderung von Krebserkrankungen sind hier beobachtete Symptome. Und gerade das wollen wir vermeiden.

 

TIPP

Vermeiden Sie Babyphone mit DECT-Standard und nutzen Sie stattdessen die analoge Variante.

 

 

 

 

PC, Handy und Co.

Die Kinder wachsen und  die Technik mit Ihnen: Elektrospielzeug, Computer, Handys, usw. ziehen ins Kinderzimmer ein. Selbstverständlich können wir den Kindern nicht alles verbieten, aber Sie können Ihnen einen bewussten Umgang mit den Geräten vorleben und vermitteln: genügend Abstand zum Bildschirm, vereinbarte Zeitfenster für die Nutzungsdauer, nachts alle Geräte komplett abschalten. Schnurlostelefone oder WLAN-Router gefährden die Gesundheit der ganzen Familie.

Foto: SSB

TIPP

Dauerstrahlende Schnurlostelefone sollten gegen strahlenminimierte Geräte ausgetauscht werden, oder Sie verwenden am besten Geräte mit Schnur, nach dem Motto „Retro ist in“. WLAN-Router sind in der Leistung zu reduzieren ohne Einbußen in der Datenübertragung. Sie sollten immer dann, wenn sie nicht unbedingt benötigt werden, ausgeschaltet werden – auf jeden Fall während der Schlafenszeiten. Einbußen an Komfort gibt es dabei nicht – aber einen Gewinn an Wohlbefinden und Gesundheit.

 

 

Das flüchtende Kind

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Foto: SSB

Ihr Kind wacht jeden Morgen in einer bestimmten Ecke des Bettes auf? Dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass es vor irgendetwas flieht, beispielsweise vor Elektrosmog. Ist auf der Wandseite des Bettes eine Steckdose oder ein Stromkabel verlegt und das Kind schläft auf der gegenüberliegenden Bettseite, können Steckdose und Co. die Ursache dafür sein. Eine andere mögliche Ursache sind geopathische Störfelder, wie z. B. eine Wasserader. Ein qualifizierter Baubiologe kann die genaue Ursache ermitteln und geeignete Maßnahmen empfehlen.

Auch Bett- oder Schreibtischleuchten mit einem 2-poligen Stecker machen Stress, denn die elektrischen Wechselfelder setzen den Körper unter Spannung. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit und Schlappheit. Die Kinder sind morgens unausgeschlafen. Von elektrischen Leitungen und Geräten sollte man einfach Abstand halten. Wenn das nicht möglich ist, gibt es Maßnahmen zur Abschirmung. Hier ist unbedingt die Zusammenarbeit mit einem Fachmann erforderlich, sonst kann die Installation kontraproduktiv werden.

 

 

TIPP

Sorgen Sie für Abstand von elektrischen Leitungen und Geräten zum Schlaf- und Arbeitsplatz Ihrer Kinder.  Gleiches gilt für Trafos und Ladegeräte (z.B. für Handys). Der Abstand sollte mind. 1 Meter betragen.

 

 

 

Das glückliche, ausgeruhte, gesund aufwachsende Kind

www.fotolia.de,Hellgard

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Viele einzelne Faktoren gilt es zu berücksichtigen. Einige Maßnahmen werden etwas teurer, als die „normale Ausführung“, doch das ist eine Investition in die Kindergesundheit, die sich auszahlt: Gesunde, fröhliche, ausgeschlafene, hellwache, konzentrierte und vitale Kinder danken es Ihnen mit Sicherheit. Insgesamt profitiert die ganze Familie von der Wohngesundheit.

 

 

Hochsensibel – dann erst recht!

Ihr Kind ist hochsensibel? Dann spürt es alle Belastungen (Elektrosmog. Stress, Unruhe, Gerüche,…) um ein Vielfaches mehr und intensiver. Und ebenso intensiv spürt ein hochsensibles Kind  die Ruhe und das Glücksgefühl im gesunden Kinderzimmer. Ein Grund mehr, achtsam zu sein – für die Kinder, sich selbst und die ganze Familie. Gönnen Sie sich Wohlbefinden!

 

Ihr

Dipl.-Ing. Jürgen Harder

Baubiologe und Gesundheitscoach

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Akademie Bauen Wohnen Gesundheit

Kontakt

Mail: info@akademie-bauen-wohnen-gesundheit.de

Telefon: 04123 – 80 80 00

 

 

 

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