InteriorDesignerin

Der Einzelhandel lebt – genau wie Elvis!

16.10.2018 | Allgemein | Keine Kommentare

… er lebt in kleinen und großen Städten und er lebt durch seine Fachkompetenz, seiner persönlichen Ansprache, seinem Interesse an Menschen.

Wie ich darauf komme? Nun, ich stöbere gern durch Geschäfte und interessiere mich nicht nur für das Angebot, sondern auch für die Menschen, die dahinter stecken. Da bekomme ich viel erzählt und erlebe einiges. Neulich war ich in einer kleinen Stadt in der Heide unterwegs und entdeckte dieses kleine Juwel. Der Laden ist 111 Jahre alt und die originale Innenausstattung bis heute erhalten. Schon an der Tür wird sich klar positioniert.

 

 

Ich komme so über die Geschichte des Ladens ins Gespräch, da betritt ein weiterer Kunde das Geschäft. “Guten Tag, Herr …., wunderbares Wetter heute, Sie sind aber früh dran …”, begrüßt die Verkäuferin den Herren mittleren Alters. Die Plauderei geht über zu persönlichen Dingen aus dem Leben des Kunden. Schließlich fragt die Verkäuferin, ob es heute zwei oder drei Packungen eines bestimmten Tabaks sein sollen.

Ich fühlte mich beim Zuhören ins Dorf meiner Kindheit versetzt. Egal, ob Bäcker, Schlachter oder SPAR Markt, es ging beim Einkauf nicht ausschließlich um einen bestimmten Bedarf oder Konsum. Wir Kinder bekamen einen Kirschlolli, eine Scheibe Wurst oder einen Keks. Da wusste der Schlachter, wie meine Mutter die Rouladen geschnitten haben möchte. Nostalgisches Geschwafel! Mitnichten, denn was kaufen wir letztlich? Richtig –

 

GEFÜHLE

 

 

 

 

 

Ist die Büchse der Pandorra tatsächlich offen?

Seit nunmehr fast 50 Jahren gibt es weltweit agierenden Versandhandel (heute eCommerce). Was sich geändert hat, sind die technischen Möglichkeiten der Anbieter und der Verbraucher.  Hier handelt es sich nicht aussschließlich um Laster und Untugenden von bösen Internetanbietern, die faule Geiz-ist-geil-Verbraucher ködern. Machen Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch und geben Sie diese sagenumwobene Dose ungeöffnet zurück.  Nutzen Sie stattdessen die neuen Möglichkeiten und Chancen, ihre wertvollen Kompetenzen und Händlerpersönlichkeiten in die Welt zu tragen. Noch nie zuvor war es möglich, so schnell und kostengünstig eine globale Reichweite zu erreichen und dauerhaft in direkten Kontakt mit Ihrem Kunden zu treten.

Und noch ein wichtiger Punkt ist damit verbunden. Erinnern Sie sich wo und warum meine Mutter die Sonntags – Rouladen kaufte? Genau, bei unserem Schlachter im Dorf. Sie ließ den Supermarkt auf dem Nachhauseweg buchstäblich links liegen, weil sie unserem Dorfschlachter mehr vertraute. Und nicht nur das, Sie war dort Teil einer Gemeinschaft. Heutzutage würde man vielleicht sagen, Sie war ein Fan.

 

Community = Gemeinschaft, nur virtuell

Neuerdings werden Gemeinschaften real und virtuell gepflegt, aber die Regeln sind geblieben. Es geht immer noch um Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Es geht um das Miteinander und darum Teil einer Gruppe sein zu wollen. Auch daran hat sich nichts geändert. Geschäfte / Läden / Shops können deshalb nach wie vor Basisstation solcher Gemeinschaften sein. Menschlichkeit ist wieder en voque und möchte erlebt werden – lokal, vielleicht klein, aber nach wie vor mit Herz.

Wussten Sie übrigens, dass Zalando inzwischen 4 stationäre Läden betreibt und Apple regelmäßig mit seinen Läden innenarchitektonische Maßstäbe setzt? Und da sind wir schon beim nächsten Thema:

 

Einkaufserlebnisse

Lassen wir uns das Wort auf der Zunge zergehen und Gefühle aufwallen. Was genau ist ein Erlebnis?

  • ein Abenteuer

  • eine Sensation

  • ein Kuriosum

  • ein eindrucksvolles Ereignis

  • ein Phänomen

  • ein Happening

Oder wie es Mark Rauschen, Geschäftsführer vom Mode- und Sporthaus L&T in Osnabrück, bei einem seiner Vorträge ausdrückte:” Bei uns geht es nicht ums Einkaufen, sondern ums Erlebnis.”

Ein Beispiel:

Bei Deerberg in Oldenburg taucht der Kunde in die Welt eines schwedischen Dorfes ein. Es gibt ein Schulhaus, einen Ballsaal, ein Kaminzimmer und vieles mehr zu entdecken. Der Laden wird zur Spielwiese für Fantasiewelten.

Foto und Konzept: Fa. Kultobjekt; Fachplanung Farben, Formen Materialien INTERIORDESIGN

 

Foto und Konzept: Fa. Kultobjekt; Fachplanung Farben, Formen, Materialien INTERIORDESIGN

 

Und was verkaufen Sie wirklich?

Als Schuhhändler verkaufen Sie keine Schuhe! Sie verkaufen

  • Freudentränen, wenn stolze Eltern ihre Kleinen in den ersten Schühchen trippeln sehen

  • prickelndes Lampenfieber vor dem ersten Abschlußball

  • Träume von der großen weiten Welt

  • … geheime Fantasien

 

Als Haushaltswarenhändler verkaufen Sie keine Haushaltswaren, sondern

  • die heiß ersehnte Unabhängigkeit in der ersten eigenen Küche

  • einen genussvollen Abend mit Freunden

  • glänzende Kinderaugen beim Kekse backen in der Adventszeit

Elvis hat auch keine Musik verkauft, sondern ein Lebensgefühl aus Freiheit, Testosteron und sensiblem Charme. Deshalb lebt Elvis bis heute.

 

 

Was einen Verkaufsraum zum Erlebnis macht – 3 handfeste Tipps

1. Nutzen Sie in Ihren Räumen artfremde Themen mit passenden Produkten. Dieser alte Volvo des Firmeninhabers könnte viele Geschichten von seinen Reisen erzählen. Kleidung ist dabei immer ein notwendiger Reisebegleiter.

Foto: Fa. Kultobjekt

2. Sorgen Sie für Überraschungsmomente. Dafür sind Details besonders gut geeignet. Mit Details können Sie in vielfältiger Weise und immer wieder neu überraschen, weil Sie sich schnell austauschen lassen.

3. Geizen Sie nicht mit Reizen. Setzen Sie gezielt sensorische Reize bei der Gestaltung der Verkaufsräume. Inszenieren Sie dabei Farben, Formen und Materialauswahl passend zu Ihrer Unternehmensphilospohie und ihrem Produktangebot. Die eingelassene Plakette aus gebranntem Ton animiert zur Berührung, genau wie die Produktpalette aus verschiedenen Naturmaterialien im Shop.

Foto: Fa. Kultobjekt

Handel hat Zukunft!

Sie sind erfahrene Händler! Sie wissen, was Sie können und sind Experten auf Ihrem Gebiet! Gleichwohl geht ein Wandel durch den Handel, denn laut Expertenmeinung stirbt der klassische EINZEL-Handel. Die Zukunft, so die Experten der Marktforschung und der Verbände weiter, liegt in digitalen und lokalen Kooperationen und Netzwerken. Gemeinsam, statt Einzeln!

“Es werden auch in absehbarer Zeit 90% aller Käufe stationär stattfinden!”, sagte Ludwig Schmid vom Handelsverband Baden-Würtemberg. Beides zusammen klingt wie ein Widerspruch, ist im Prozess einer Veränderung aber nachvollziehbar.

  •  Kundenkontakt neu denken

  • überhaupt Querdenken

  • Als Gemeinschaft aktiv sein, sich gegenseitig unterstützen und zusammen kreativ sein

  • Verkaufsflächen werden zu Erebnisoasen

 

All das erfordert nicht zwingend ein großes Budget, sondern vor allem Mut zur Veränderung.  Denn nach meiner Meinung lassen sich mit wenigen Mitteln eine große Wirkungen erzielen, weil jedes Geschäft ein Gesicht braucht.

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

 



Hinterlassen Sie uns einen Kommentar: