InteriorDesignerin

Dachbodenfunde und was ist eigentlich ver-rückt?

22.03.2016 | Einrichtungstipps | Keine Kommentare

Seit 8 Jahren bewohne ich ein altes Stadthaus (Baujahr ca. 1956), in dem drei Parteien zuhause sind. Als Abstellfläche nutzen wir überwiegend den Keller, weil dieser durch die Heizungsanlage warm und trocken ist. Und, ehrlich gesagt, war ich seit unserem Einzug nicht mehr auf dem Dachboden. Dabei können Dachböden mit Ihrer Atmosphäre durchaus ansprechend sein. Ich stelle sie mir als Abenteuerspielplatz oder als Ort für eine Zeitreise vor.

Schon als Kind fand ich Dachböden äusserst spannend und habe keine Gelegenheit ausgelassen dort zu stöbern, wenn ich durfte oder es niemand bemerkte. Dachböden erzählen Geschichten, von den Menschen, die im Haus leben oder gelebt haben. Wenn ich heute Menschen auf deren Dachböden begleite, stellt sich häufig eine besondere Stimmung ein, weil sich die Menschen an Vergangenes erinnern oder Neues planen, denn, häufiger als Keller, werden Dachböden zu neuen Wohnflächen ausgebaut.

 

 

Spieglein, Spieglein….

Schon C. G. Jung hat Räume als Spiegel der Seele bezeichnet. Frei nach dem Motto: “Zeig` mir Dein Nest und ich sag` Dir wer Du bist.” Betrachten wir ein Haus auf spiritueller Ebene, dann stehen Dachböden für die geistigen Anteile eines Menschen – das bekannte Dachstübchen.  Was unseren Geist bewegt, beflügelt antreibt,wird durch den Dachboden symbolisiert. Der Keller dagegen wird mit der Vergangenheit in Verbindung gebracht. Je nach Quelle auf diesem Gebiet geht die Vergangenheit über die eigene hinaus und betrifft vorherige Generationen und/oder Inkarnationen.

Aber zurück zu meinem Dachbodenfund.

Foto: SSB

 

 

Die Befragung von “Zeitzeugen”

Ich bin also mal wieder neugierig gewesen, gehe auf unseren Gemeinschafts-Dachboden und werde überrascht von Zeitzeugen:

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Wie sie sehen können, ist der Dachboden, ganz seinem Klischée entsprechend, alt und zugig, weil ohne Dämmung. Die Luft ist etwas staubig und der Jahreszeit gemäß, kalt. Es riecht nach altem Holz und noch älterem Staub. Das muss mal anders gewesen sein, denn offensichtlich hatten die früheren Bewohner eine Vorliebe für Jazz und feierten gern. Vielleicht war es mal eine Art Party-Dachboden oder ein Refugium der heranwachsenden Jugend, um ungestört den eigenen Vorlieben zu frönen. Dann hätten wir hier die Botschaft “jedem seinen Raum geben, bzw. lassen”.

Meiner Schätzung nach sind diese Zeichnungen in den 50er Jahren oder Anfang der 60er gemacht worden. Ein Haus ist eben weit mehr als vier Wände mit Dach, das uns vor der Witterung schützt.

 

 

 

Brain your House

Meist werden Räume bestimmten Funktionen zugeordnet (Küche, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Operationssaal,…). Die Ausstattung ist ensprechend darauf abgestimmt worden. Vom Bau bis zur fertigen Ausstattung hat ein Haus also einen Prozess durchlaufen. Aber erst durch die wiederholte Nutzung der einzelnen Räume entsteht ein Energiefeld, das wir spüren können. Wo vorher das Gefühl von “Schöner wohnen” herrschte, stellt sich mit dem Alltag ein Gefühl von Lebendigkeit in den Räumen ein. Wir schaffen uns damit eine Art Energiehülle, die einem den Einstieg in eine bestimmte Tätigkeit an einem Ort erleichtert. Dabei ist nicht die Raumgröße entscheidend, sondern die Lokalisierung und mit welcher Intention und Intensität wir tätig sind. Denn in der Regel platzieren wir unser Möbiliar nicht einfach zufällig. Wir können also Räume sogar mit einem Mehrfachnutzen belegen und uns gut dabei fühlen. Was aber, wenn es nicht so ist?

 

 

 

Die Sache mit den “bösen” Energien

Mir begegnet häufig, dass sich Menschen eben nicht wohlfühlen in ihren vier Wänden. Das Zusammenspiel von Farben, Formen und Materialien hat seine Wirkung auf die Befindlichkeit, aber  Unwohlsein in Räumen hat nicht immer etwas mit der Einrichtung zu tun. Ein Haus befindet sich an einem Platz -logisch – und ist eingebunden in einem Umfeld. Da sind z. B. die Nachbarn, andere Gebäude oder die Natur selbst. Jede einzelne Komponente hat seine eigene Energie, die mit der unseren in Kontakt tritt. Fühlen wir uns mit der Umgebung verbunden und genießen den Aufenthalt in vollen Zügen, ist alles in Ordnung. Dann ist es auch egal, ob wir gegenüber einem Friedhof wohnen oder mit Blick aufs Meer. Vielleicht hat jemand den Blick auf den Friedhof nämlich gewählt, weil dort ein lieber Mensch liegt und er diesem möglichst nahe sein möchte. Stellt euch im Gegensatz dazu einen Menschen vor, der mit Wasser absolut nichts am Hut hat und in einem Haus am Meer wohnen soll. Jeder Ort mit seinen Gegebenheit hat seine eigene Ausstrahlung und ob wir damit in positiver Resonanz gehen oder nicht, hängt also nicht allein von den dortigen Energien, sondern auch von den jeweiligen Menschen ab.

Meiner Erfahrung nach gibt es Energien unterschiedlicher Qualität und Intensität – keine davon sind “böse”. Selbst dann nicht, wenn schlimme Dinge an einem Ort passiert sind, schließlich wäre aufgrunddessen ein großer Teil der Erde inzwischen nicht mehr bewohnbar. Im Gegenteil, stelle ich fest, je mehr ein Mensch aus seiner Mitte heraus agiert und lebt, desto intuitiver sucht er sich den passenden Lebensort, der ihn unterstützt. Dazu gehören Demut und Achtsamkeit für sich selbst und die Umgebung.

 

 

 

Wie Du mir,…

Mir kommt es immer so vor, als wären Häuser und ihre Umgebung wie Persönlichkeiten. Das liegt zugegeben an meiner angeborenen Begabung  als hochsensibler Mensch. Letztlich erscheint es aber vollkommen logisch. Habe ich Respekt vor meiner Umgebung und gestalte ich den Eingriff in die Natur achtsam, gebe ich also etwas davon zurück, was ich mit meinem Wunsch zu wohnen genommen habe, so stelle ich das Gleichgewicht wieder her und mir begegnet ebenfalls Respekt. Das Zurückgeben kann z. B. das Pflanzen einer  Vogelschutzhecke im Garten sein oder das Aufarbeiten, statt Ersetzen von festem Inventar in einem alten Haus bedeuten.

 

 

 

Verrückt!?

Nicht immer funktioniert diese Kommunikation, sonst hätte ich ja auch keine Klienten. Wenn z. B. jemand ein neues Arbeitszimmer eingerichtet hat, aber trotzdem mit seinem Laptop lieber am Esstisch sitzt, dann stimmt offensichtlich etwas nicht. Wenn in einer Familie das Chaos ausricht und sich dieses räumlich niederschlägt, dann ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Es ist etwas aus der Mitte ver-rückt.

Im Falle des Arbeitszimmers reichte es aus, nach dem Alarmsystem des Kunden zu forschen und den Schreibtisch entsprechend zu stellen. Die Wirkung erfolgte unmittelbar.

Im Falle der Familie geht es buchstäblich und im übertagenen Sinn um Raum geben und Raum lassen, so dass nicht jeder überall Raum einnimmt. Dingen und Menschen wieder ihren angemessenen Platz geben – konkrete Lösungsempfehlungen für die vorhandene Raumgestaltung halfen diesen Prozess in Gang zu setzen.

Manchmal passieren verrückte Sachen, wobei verrückt sein weder schlimm, noch unnormal sein muss. Es ist eben voll das Leben!

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

Die Raumheilerin

 



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