InteriorDesignerin

Die Begegnung der dritten Art – Frag` doch mal die FARBE!

22.09.2015 | Farben | 2 Kommentare

Farben sorgen immer wieder für jede Menge Gesprächsstoff: das geht so! Nein, das ist so schöner!

Ich wollte es genau wissen, also wen fragt Frau? Natürlich den Experten höchstselbst.

Hier ein Auszug aus meinem Interview mit Frau… oder war es Herr FARBE? (So ganz sicher war ich mir da nicht.) Denn das Wesen der Farben ist vielschichtig und tiefgründig. Aber, bilden sie sich selbst ein Urteil:

 

 

INTERIORDESIGN:

Verehrte Frau, äh Herr?, FARBE, schön, dass Sie kurzfristig Zeit für mich gefunden haben.

Ich werde sehr oft gefragt, was nun richtig und was falsch ist bei der Gestaltung mit Farben. Was sind Ihre Intentionen, wenn Sie sich auf Flächen oder Gegenständen niederlassen?

 

 

FARBE:

Vielen Dank für Ihre Einladung. Darüber spreche ich natürlich sehr gern.

Zunächst einmal müssen wir wissen, wer uns überhaupt zu Gesicht bekommt. Es macht keinen Sinn, wenn wir die sensible ultravioletten Verwandtschaft bemühen und die Flächen für Menschen gedacht sind. Im Bereich der Gefiedergestaltung und in den Unterwasserwelten können wir uns deutlich vielfältiger austoben. Menschen sind in der visuellen Wahrnehmung eingeschränkt, was uns Farben betrifft und brauchen immer Licht, damit Sie uns sehen können.

 

 

INTERIORDESIGN:

Also, Sie stimmen den Einsatz für Ihre große Familie sozusagen auf den Betrachter ab? Beschränken wir uns dabei auf Menschen. Denn das ist es, was unsere Leser am meisten interessiert. Setzt das nicht voraus, dass Sie Menschen per se kennen müssen? Woher nehmen Sie Ihre Einschätzungen – Ihre Menschenkenntnis?

 

 

FARBE:

Wir sind ja nicht erst seit gestern auf der Welt (lacht) und viel älter als die Menschheit selbst. Aber erst die Menschen haben uns die Bedeutung gegeben, die wir haben. Wo kein menschlicher Betrachter, da ist eben auch keine Farbe, wie Menschen Sie sehen. Wenn Sie verstehen..?! Leider ist das in den vergangenen Jahrhunderten etwas verloren gegangen, bzw. hat sich in Bahnen entwickelt, für die wir nicht gern bereitstehen wollen.

 

 

INTERIORDESIGN:

Was meinen Sie genau?

 

 

FARBE:

Menschen sind sehr empfänglich für uns, ob Sie das wollen oder nicht. Wir Farben wirken auf das Bewusstsein und zeitlich betrachtet vorher auf Ihr Unterbewusstsein. Seit Menschengedenken werden wir benutzt, zur Freude, zur Warnung, zur Entspannung, zur Heilung, zur spirituellen Entwicklung und auch zur Manipulation. Die Manipulation ist das was uns in letzter Zeit  Sorgen bereit. In Ihrer Welt heißt das Werbung. Außerdem haben wir den Eindruck, dass es den Menschen nur noch um den äußeren Schein geht. In einem Jahr finden Sie meine Verwandtschaft aus der Linie der Rottöne schön. Und, schwups, ist plötzlich überall Rot zu sehen. Dann wundern sich manche Menschen, warum Sie schlecht schlafen oder dauernd streiten. Die rote Linie ist eben sehr impulsiv und strotzt vor Agiliät, da können dann schon mal die Fetzen fliegen. Menschen sind ebenso unterschiedlich.

Im nächsten Jahr wird Ihnen gesagt, dass Grün der Nabel der Welt ist und schon wird die rote Verwandtschaftslinie einfach ausquartiert. So kann man doch mit uns nicht umgehen! Ich bin nur froh, dass es Rot getroffen hat. Die können damit umgehen, aber die gelbe Linie fiele uns glatt in die Depression, weil sie äusserst sensibel  sind. Wir wünschen uns da mehr Respekt und Achtsamkeit. Es muss zusammen passen, wenn wir dienlich sein sollen. Wir wollen nicht nur oberflächlich betrachtet werden.

Die Menschen können sich ihr eigenes Leben erleichtern, wenn sie sich mit sich UND mit uns eingehend beschäftigen, um herauszufinden was zu Ihnen passt. Das bringt ihnen Entspannung, wo Sie Entspannung wünschen, Kreativität oder auch Schwung, wenn jemand dazu neigt nicht “in die Puschen” zu kommen. Habe ich die Redensart richtig verwendet?

 

 

INTERIORDESIGN:

Perfekt, das haben Sie. Das klingt sehr einleuchtend und so einfach.

Bei der Manipulation stimme ich Ihnen ebenfalls zu. Hier brauchen wir Menschen eine große Eigenverantwortung und noch bessere Selbstkenntnis. Werbung dient halt dem Verkauf. Als Nutzer oder als Verbraucher habe ich natürlich die Wahl, mich darauf fortwährend einzulassen oder eben nicht. Für Ihren Bereich hieße das, je mehr jeder Mensch weiß, was ihm guttut oder was er in seinen Räumen braucht, desto mehr kann er Werbung und Trends als Inspiration nutzen und trotzdem ganz bei sich bleiben. Das klingt nach Freiheit und Unabhängigkeit. Und nach tollen Räumen.

 

 

FARBE:

Ganz so pauschal ist es dann doch nicht. Menschen brauchen für ihre Entwicklung Erfahrungen, deshalb ist das Ausprobieren auch wichtig. Wir plädieren dafür, dass Menschen uns alle mögen. Die Eine mehr, die Andere weniger, ok.  Aber schließlich treten wir selten allein auf und unsere Erscheinung verändert sich, wenn wir nicht allein sind. Die Kombination und die Vielfalt macht uns aus. Menschen sollten uns nicht als Einzelteil sehen, sondern immer im Zusammenhang betrachten.

 

 

INTERIORDESIGN:

Ich verstehe. Sie meinen, das letzte Wort haben alle Komponenten im Raum gemeinsam, einschließlich Farben? Also, wie und mit wem Sie zusammen sind. Das ist ja wirklich sehr komplex. Haben Sie einen Tipp für unsere Leser. Schließlich wird ausprobieren bei Raumgestaltung auf die Dauer kostspielig.

 

 

FARBE:

Gern. Wir lassen uns nicht mit dem Verstand erfassen. Uns müssen Sie erleben und Sie müssen das Erleben zulassen. Dann wird es leichter mit der Auswahl. Es gibt Menschen, Kollegen von Ihnen, die Hilfestellung anhand von Richtlinien aufgestellt haben, so dass der Verstand den ersten Zugang zu uns hat und im zweiten Schritt das Gefühl anhand des Erlebnisses folgen kann. Damit fühlen Sie sich sicherer bei der Auswahl und es gibt gleich positive Ergebnisse in den Räumen. Diese Idee finden wir Farben sehr gut.

 

 

INTERIORDESIGN:

Sie meinen etwa so?

  1. Intensive Farben behutsam und in geringen Mengen einsetzen. Nur in großen hohen Räumen mit ausreichend Tageslichteinfall kann man großzügiger sein.

  2. Zurückhaltende Farben können in größeren Mengen einsetzt werden.

  3. Gedämpfte oder getrübte Farben haben Beimischungen von Schwarz oder Grau und unterstützen in Kombination mit intensiven Farbtönen deren Leuchtkraft.

  4. Intensive Farbtöne miteinander kombiniert, können stumpf oder gedämpft wirken.

  5. Ein Farbton übernimmt die Hauptmelodie, andere übernehmen die Begleitung. Max. 3 Hauptfarben einsetzen. Schwerpunkt kann auch ein Farbkontrast bilden (z. B. Rot und Grün als Komplementärkontrast).

  6. Bei Mischfarben können in Kombination unerwünschte „Nebenwirkungen“ entstehen. So kann z. B. ein beiges Sofa vor einer sandfarbenen Wandgestaltung plötzlich grünlich schmutzig wirken. Einfache Abhilfe: die geplanten Kombinationen als Muster zu unterschiedlichen Tageszeiten im Raum platzieren und anschauen.

 

 

FARBE:

Ja, das ist eine ganz wunderbare Hilfestellung für den ersten Zugang zu uns. Wussten Sie übrigens, dass wir nicht nur körperlich auftreten, sondern auch als Licht?

 

INTERIORDESIGN:

Ach ja, stimmt. Und daraus ergeben sich ebenfalls Richtlinien als Hilfestellung für die Gestaltung. Gut, dass Sie darauf hinweisen. Möchten Sie unsere Tipps dazu?

 

 

FARBE:

Unbedingt. Denn “Nachts sind bekanntliche alle Katzen grau”. Ich liebe Ihre menschlichen Sprichwörter und Weisheiten! Habe ich dieses im richtigen Zusammenhang gesagt?

 

INTERIORDESIGN:

(Diesmal lache ich herzlich) Ja, das haben Sie. Hier nun die Gestaltungstipps für Farben und einem weiteren Zweig Ihrer farbigen Verwandschaft, dem Licht.

  1. Die Wirkung einer Farbe wird durch den unterschiedlichen Einfall des natürlichen Lichtes beeinflusst (extrem bei Violett, Grün, Rot und Gelb). Hier ist es gut mit Farbmustern direkt im vorgesehenen Raum bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen des Tages zu testen.

  2. Die Lichtfarbe des Kunstlichtes muss auf die Farbgestaltung abgestimmt werden.

  3. Eine Lichtfarbe kann nur die Farbtöne wiedergeben, die in ihr enthalten sind. Ein Leuchtmittel mit überwiegend bläulichem Spektrum z. B. lässt warme Farbtöne gräulich und matt erscheinen.

Haben Sie etwas zu ergänzen?

 

FARBE:

Im Moment nicht. Ich halte diese Tipps für sehr hilfreich. Der nächste Schritt ist: sich trauen und loslegen und wer Hilfestellung benötigt, kann Sie schließlich auch um Rat fragen. Sie sind doch eine erfahrene Expertin auf diesem Gebiet, oder? Mich, jedenfalls, haben Ihre Projektbilder überzeugt.

 

 

INTERIORDESIGN:

Oh, vielen Dank (ich werde verlegen und meine Wangen röten sich). Ich empfinde Ihr Lob als große Auszeichnung.

 

FARBE:

Nun stellen Sie mal Ihr Licht nicht unter den Scheffel! (Gekicher)

 

 

INTERIORDESIGN:

Nochmals vielen Dank. Es war mir eine außerordentliche Freude, Sie als Gast hier zu haben. Eine Frage habe ich noch: Gehören Schwarz und Weiß auch zu Ihrer Familie?

 

 

FARBE:

Gegenfrage: sehen Sie Schwarz und Weiß mit Ihren eigenen Augen? Oder wie einer Ihrer Dichter und Denker es einst formulierte “(…)Denn was Du schwarz auf weiß erblickst, kannst Du getrost nach Hause tragen”(…)

 

 

INTERIORDESIGN:

…das war GOETHE. Und stimmt, ich kann sowohl schwarz, als auch weiß mit meinen eigenen Augen sehen. Es war mir eine Freude, Sie persönlich kennen zu lernen und ich bin ganz neugierig auf die einzelnen Familien des FarbenClans© geworden.

 

 

FARBE:

Ich fühle mich geschmeichelt.

 

Das war ein spannendes Interview für mich und tatsächlich ein bisschen die Begegnung der dritten Art. Wenn sie jetzt Fragen an Herr/Frau FARBE haben, leite ich diese gern weiter. Hinterlassen sie einfach einen Kommentar. Auch teilen ist eine gute Idee, vielleicht haben noch mehr Menschen Fragen.

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

(farbbegeisterte Bloggerin)



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Ilona Weirich schrieb am 27. Oktober 2015 um 14:51 Uhr:

Grossartig und sehr unterhaltsam geschrieben liebe Susanne. Ich lerne gern über Geschichten und innere Bilder. Deine Sichtweise von Farben und Räumen paßt sehr gut zu meiner Arbeit als Physiognomin. In meiner Lehre gibt es drei ideale Typen: Rot, Blau und GELB – nun sind wir immer eine Mischung und alles darf sein. Ich freue mich auf weitere Zusammenarbeit mit Dir und schreib mal mehr! Ich würde mich freuen, wenn ich von Dir Geschichten über Räume und deren Aussagen lese. Was haben die Räume mit den dort wohnenden Menschen zu tun. Gibt es auch traurige und fröhliche, geschwätzige, stille Räume?

Herzlichst Ilona Weirich


Susanne schrieb am 28. Oktober 2015 um 15:44 Uhr:

Liebe Ilona,
vielen Dank. Räume haben sowohl ein “Eigenleben” und deshalb immer auch etwas mit den dort lebenden Menschen zu tun. Neue Geschichten sind in Arbeit.
Herbstlich bunte Grüße
Susanne