Farben

Farben setzen Erinnerungen, Gefühle und Assoziationen frei. Man mag einen bestimmten Farbton oder lehnt ihn ab, ohne es oft richtig begründen zu können. Unbewusst wirken sich Farben auf unser Denken und Handeln aus und bestimmen mit darüber, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen.

 

Für meine Arbeit als Interior Designerin ist der Einsatz von Farben bei der Raumgestaltung unverzichtbar. Sei es, dass ein Wohnzimmer optisch größer wirken soll, als es tatsächlich ist, oder aber, die Einrichtung eines Büros an die Corporate Identity eines Unternehmens anzupassen: Farbe ist das perfekte Werkzeug, um Blicke gezielt zu lenken, das Raumgefühl zu verändern, Botschaften zu transportieren.

 

Nun ist die Reaktion auf eine Farbe höchst individuell und oftmals sehr persönlich. Sie hängt davon ab, wie man geprägt wurde und was man erlebt hat. Bei der Erstellung von Farbkonzepten behelfe ich mich daher mit einem Trick: Ich charakterisiere Farben als Persönlichkeiten und ordne ihnen sämtliche Eigenschaften zu, die meiner Wahrnehmung nach zu ihnen passen.

So kommt VIOLETT als It-Girl Jolande daher, ROSA als skurrile, aber liebenswürdige, ältere Tante. WEISS ist eine eiskalte, aber gleichzeitig höchst empfindsame Persönlichkeit, die ähnlich wie Kassandra wahrnimmt, was alles schiefläuft – aber keinerlei Gehör für ihre guten Ratschläge findet. Und dann ist da natürlich noch ROT, ein sehr dominanter, vorpreschender Typ, der anderen dabei helfen kann, ihr Phlegma zu überwinden. Nicht zu vergessen Herr BRAUN, ein vielseitiger Teamplayer, der im Zusammenspiel mit anderen Farben dezent-souverän die Führung behält. Ausführlich beschreibe ich diese Nuancen in meinem FarbenClan.

 

Welchen Vorteil bietet diese Herangehensweise an das Thema Farbe? Zum einen macht es Spaß, die Farbnuancen im Geiste zum Leben zu erwecken und sie zu mir sprechen zu lassen. Je mehr ich mich mit einem Farbton beschäftige, ihm Persönlichkeitsmerkmale zuweise, die mir stimmig erscheinen, desto besser lerne ich ihn kennen – und kann beim Interior Design effizienter mit ihm arbeiten. Ich frage mich zu Beginn einer jeden Raumgestaltung, wie das Ergebnis wirken soll: kühl und sachlich oder warm und einladend? Wozu wird der Raum genutzt, wer wird darin arbeiten oder wohnen – und wen soll er ansprechen? Schließlich: Welcher meiner Freunde aus dem FarbenClan kann mir mit seinen Eigenschaften dabei helfen, das umzusetzen, was meine KundInnen sich wünschen?

 

Die Wirkung von Farben auf Mensch und Raum hat der renommierte Farbforscher Axel Buether kürzlich im Rahmen einer Studie am Universitätsklinikum Wuppertal untersucht. In einem Zweitraum von zwei Jahren ging er der Frage nach, wie sich Farbe und Lichtverhältnisse auf das Befinden von Intensiv-PatientInnen, Pflegepersonal und den Medikamentenverbrauch auswirken. Das Ergebnis: Mehr Farbe und Licht verbesserten das Wohlbefinden der PatientInnen und die Arbeitsmotivation des Pflegepersonals signifikant. Der Medikamentenverbrauch sank im Untersuchungszeitraum um 30%. (Link zur Studie: https://axelbuether.de/2019/farbe-im-gesundheitsbau-colour-design-thinking/)

 

„Farben sind kein hübsches Beiwerk, wir brauchen sie tatsächlich zum Überleben“, schreibt Buether auf seiner Homepage. „Farben prägen unsere Selbst- und Umweltwahrnehmung und steuern unser Verhalten.“

 

Dem kann ich mich nur anschließen.

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