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Interior Design – Was dahinter steckt und was es kostet!

15.09.2020 | 8 Kommentare

Hej,

ich bin seit 12 Jahren als Interior Designerin selbständig tätig und werde immer wieder gefragt, was hinter diesem Berufsbild wohl stecken mag und natürlich was eine Beratung kostet. Deshalb nun gern Butter bei die Fische: Was machen Interior Designer*innen? Was kennzeichnet seriöse und professionelle Berater*innen und wie stets mit dem Honorar?

 

Germanblogs hat 2013 eine Berufsbeschreibung veröffentlicht, die ich nicht besser formulieren könnte:

Das Berufsbild des Interior Designers

Räume bedarfsgerecht und ästhetisch zu gestalten und einzurichten ist ein Talent, das nicht jedem gegeben ist. Bei der Raumgestaltung kommt es nämlich nicht nur auf einzelne Elemente an, sondern vor allem das harmonische Miteinander von Wänden, Wohntextilien, Möbeln und ausgesuchten Dekoobjekten ist dafür verantwortlich, Atmosphäre und Stimmung zu verbreiten und gleichzeitig für Wohlbefinden zu sorgen. Wenn Sie ein geschultes Auge für Details besitzen und jede Menge Kreativität und Fantasie Ihr Eigen nennen, dann werden Sie sich im Berufsfeld des Interior Designers bestens aufgehoben fühlen. Schönheit und Ästhetik in Vollendung Interior Designer*innen sind Innenausstatter, die in der Lage sind, mit minimalistischen Veränderungen dem Wohnraum ein neues Gesicht zu geben. Das Wort „Designer*in“ bedeutet übersetzt „Gestalter*in“ und genau so definiert sich auch ihre berufliche Aufgabe. Sie besitzen den Feinsinn und das Gespür für Farben und Formen sowie Materialien und können die Wünsche ihrer Kunden perfekt um und vor allem in Szene setzen. Wie ein Interior Designer*in bzw. ein Innenausstatter*in zu denken bedeutet, die Persönlichkeit der Kunden einzuschätzen und diese in die Wohnräume einfließen zu lassen. Alleine die falsche Einrichtung des Hauses oder der Wohnung kann das Wohlbefinden wesentlich schmälern und ein unbehagliches Gefühl hervorrufen. Interior Designer*nnen haben räumliches Vorstellungsvermögen und kann damit auch unausgereifte Pläne nachvollziehen. Er weiß, wie man auch die kleinsten Freiräume und Nischen effektiv nutzt und wie Accessoires und außergewöhnliche Stilelemente, wie zum Beispiel eine hochwertige Fototapete, besonders gut zur Geltung kommen.

 

Wie in jedem Beruf gibt es manchmal Vorbehalte oder lustige Ankedoten zur Tätigkeit von Interior Designer*innen:

“Ach, Sie sind Kissenschubserin. (kein Witz, ist die Erfahrung einer geschätzten Kollegin)”

“Ich habe Bedenken, dass mir etwas übergestülpt wird.”

“Das macht immer meine Frau.”

 

 

Gute Beratung – Auf was Sie achten sollten?

Seriöse Interior Designer*in können weder zaubern, noch Stroh zu Gold spinnen. Aber sie haben die Aufgabe Vorhaben zu begleiten und beispielsweise darauf aufmerksam zu machen, wenn Erwartungen und Wünsche mit der Realität kollidieren. Ihre Aufgabe ist es, dabei passende Strukturen vorzugeben. Das schont nicht nur die Nerven, sondern auch das Budget.

 

1. Menschenfreund

Die Voraussetzung für einen Beruf, der mit Menschen zu tun hat ist, Menschen gegenüber aufgeschlossen zu sein. Und ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich muss Menschen grundsätzlich mögen. Das bedeutet nicht, dass ich z. B. mit jedem Kunden freundschaftlich verbunden bin, aber ich muss mich auf Menschen einlassen wollen. Auf den Kunden selbst, auf seine Zielgruppe (n), weitere Bewohner*innen, Projektbeteiligte, usw. .  Das erleichtert nicht nur die Projektarbeit, sondern führt zu einem besseren Ergebnis. Während der Zeit der Beratung geben Sie als Kunde einiges von sich Preis, da ist es wichtig, dass die Wellenlänge stimmt und eine Vertrauensbasis entsteht. Empathie ist also eine der wichtigsten Eigenschaften als Interior Designer*in.

Tipp: Vereinbaren Sie ein Erstgespräch, um von Ihrem Vorhaben zu berichten. Wie tritt der Beratende auf? Wird Ihnen aktiv zugehört oder stellt er sich der Beratende selbst pausenlos in den Mittelpunkt? Wie sind die Umgangsformen? Haben Sie ein gutes Gefühl während des Gesprächs?

Fazit: Stimmt die Chemie zwischen dem Beratenden und Ihnen – ist das der erste Schritte für eine gute gemeinsame Umsetzung Ihres Projektes!

 

2. “Schnacker” oder kompetenter Partner?

Die Welt ist voller ” selbsternannter Experten*innen” und Luftblasen, aber wie die Spreu vom Weizen trennen? Das ist manchmal nicht so einfach und ich bin selbst dabei schon auf die Nase gefallen. Meiner Meinung nach, ist Ehrlichkeit ein probates Mittel. Wenn ich ein Projektthema noch nie bearbeitet habe, dann sage ich das frei heraus. Warum auch nicht? Schließlich kann ich auch als Planerin nicht alles wissen. Aber ich muss wissen, wo und wen ich fragen kann. Als aktive Netzwerkerin fällt mir das leicht und im Laufe meiner Berufsjahre hat sich ein gutes Team formiert. Ich finde es wichtig, meinen Kunden zu sagen, wo meine Kompetenz beginnt und wo sie endet und mache damit ausschließlich positive Erfahrungen.

Tipp: Lassen Sie sich Referenzen nicht nur zeigen, sondern fragen Sie nach Details innerhalb des Projektablaufes. Das ist aufschlußreicher als Hochglanzfotos. Wenn jemand behauptet alles zu können, ist das auf jeden Fall eine detailliertere Nachfrage wert.

Fazit: Haben Sie das Gefühl, Ihnen sitzt jemand gegenüber, der authentisch seine Kompetenz einschätzen kann und Ehrlichkeit ausstrahlt? Dann stehen die Chancen eine(n) guten Berater*in gefunden zu haben nicht schlecht!

 

 

3. Künstler*in oder Interior Designer*in

Jetzt kommt ein ganz heisses Eisen. Es betrifft das Vorurteil “Da wird mir etwas übergstülpt” – und ja – solche Ergebnisse sind mir durchaus schon öfter begegnet. Vorurteile tragen immer ein Körnchen Wahrheit in sich.  Neulich meinte ein Kunde bei der Übergabe zu mir:” Ich bin so froh, dass ich Sie gefunden habe, weil Sie den gleichen Geschmack in Einrichtungsfragen haben wie ich!” Ein super Kompliment für mich, denn das sagte mir, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Anschließend habe ich ihm Bilder von meiner Wohnung gezeigt und er war sehr erstaunt.

Als Interior Designerin bekomme ich eine Aufgabe gestellt und die habe ich umzusetzen. Mein privater Einrichtungsgeschmack hat da nichts zu suchen. Auch die Umsetzung von Einrichtungstrends sind nicht pauschal für alle Räume geeignet. Vielmehr sollte ein gute(r) Interior Designer*in sich empathisch auf den Kunden und die gestellte Aufgabe einlassen können. Und zwar zu jedem Projekt neu.

Tipp: Äussern Sie probehalber einen ungewöhnlichen Einrichtungswunsch, etwa den Einrichtungsstil in Eiche rustikal oder alles in Schwarz und seien Sie gespannt auf die Reaktion des Interior Designers. Hat er  / sie Respekt vor Ihren Wünschen?

Fazit: Vermittelt Ihnen der Beratende den Eindruck, sich in Ihr Anliegen hineindenken zu können und sucht für Sie nach individuellen Lösungen ? Wieder ein Punkt zum Abhaken auf ihrer Liste für gute Interior Designer*in!

 

 

4. Interior Designer*in oder Geldhai

Lassen Sie uns über Geld sprechen. Auch ich kann nicht von Luft und Liebe leben und ich schwöre, ich hab` es versucht. Was kostet nun eine Interior Design – Beratung? Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen einer Online- und einer Offline – Beratung. Weil die Aufwände unterschiedlich sind, sind es auch die Preise. Wir bleiben bei der Offline-Variante.  Meine Recherche der Stundensätze lag zwischen 50,00 €/h und 180 €/h. Aber da erhebe ich kein Recht auf Vollständigkeit.  Hierbei handelt es sich um Stundensätze für frei vereinbare Honrare, etwa für eine einfache Einrichtungsberatung, wenn die anrechenbaren Kosten des Projektes 25.000,00 € nicht überschreiten. Für die Höhe der Stundensätze gibt es ebenfalls eine Richtlinie. Die Ermittlung erfolgt nach Kompetenzen, Berufserfahrung und Bürogröße, usw., nachzulesen in der Siegburger Tabelle. Für Projekte ab 25.000 € anrechenbarer Kosten  sind die Honorare in der sogannten HOAI, der Gebührenordnung für Architekt*innen, Ingenieur*innen und Innenarchitekt*innen geregelt. Diese gesetzliche Vorgabe gilt auch für mich als Interior Designerin.

 

Mein Honorar:

Für eine private Einrichtungsberatung vor Ort in unserer Region berechne ich 300,00 €,  zzgl. der gesetzlich geltenden Umsatzsteuer. Damit stehe ich Ihnen 2 Stunden vor Ort zur Verfügung, gegebenenfalls mit anschließender schriftlicher Zusammenfassung. Sollten wir mehr als 2 Stunden brauchen, kommen je angefangene halbe Stunde 50,00 €  hinzu. Den Termin zur Einrichtungsberatung bereite ich vorab vor und bringe unter Umständen passendes Material mit. Meine Arbeit beginnt also schon vor dem eigentlichen Termin vor Ort.

Alle anderen Honorare für Projekte bis 25.000 € anrechenbarer Kosten werden nach Aufwand und auf der Basis meines Stundensatzes von 100,00 €/h meist als Festpreis kalkuliert. Den Aufwand erfasse ich beim telefonischen Erstgespräch. Im Erstgespräch lässt sich auch klären, ob eine Einrichtungsberatung hilfreich ist oder nicht.

Tipp: Die Preisvereinbarung ist bis zu einer bestimmten Projektgröße frei vereinbar. Eine Mischvereinbarung aus Festpreis und Honorar nach Aufwand kann, je nach Projekt für beide Seiten eine faire Lösung sein.

Fazit: Sie können mich als Interior Designerin für unterschiedliche Teile Ihres Projektes buchen. Es reicht vom ersten Einrichtungsentwurf bis zur Umsetzungsbegleitung mit Bauüberwachung. Vorsicht vor der eigenen Überforderung, wenn es an die Umsetzung geht! Die Koordination und der Ablauf eines Bauprojektes, auch für Innenräume, ist sehr aufwendig und manchmal nervenraubend.

 

 

Alles klar?

Interior Designer*innen ersparen ihren Kunden jede Menge Aufwand, Zeit und damit bares Geld.  Es lohnt sich immer Expert*innen mit ins Boot zu holen, um Enttäuschungen mit dem Endergebnis und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Sie bekommen Lösungen, auf die Sie allein nicht gekommen wären. Mein Wort drauf! Die Beratung ist unabhängig von Marken und Preissegment und sollte auf Ihre indviduellen Bedürfnisse eingehen. Wie bei allen Beratungen dürfen Sie als Kunde natürlich Kreativität und Fachkompetenz voraussetzen. Die Chemie zwischen Interior Designer*in und Ihnen muss stimmen, damit Sie Vertrauen aufbauen können. Vertrauen ist die Basis für eine kreative Zusammenarbeit.

 

Es lohnt sich immer gemeinsam um die Ecke zu denken!

Eure

Susanne Schreiber-Beckmann

gestaltet Räume.

 



Hinterlass uns doch einen Kommentar:

Pam Roxwell schrieb am 28. Januar 2020 um 10:47 Uhr:

Großartiger, übersichtlicher Bericht, freundlich, ehrlich, kompetent. Danke für diesen Einblick.
Liebste Grüße, Pam


Susanne schrieb am 12. März 2020 um 17:11 Uhr:

Herzlichen Dank.


Fatima Inderbieva schrieb am 26. Oktober 2020 um 10:50 Uhr:

Hallo liebe Susanne,
Ich wollte Sie fragen, ob Sie mir einen Ratschlag geben könnten ? Und zwar bin ich gerade Studentin und arbeite nebenbei in einem Immobilienbüro. Meine Leidenschaft jedoch befindet sich in Wohneinrichtungen, Dekoration und und und. Ich bin im Moment nicht besonders glücklich, weil ich nicht tue was mir Spaß macht. Ich bin zwar erst 21 und sowas braucht seine Zeit, aber ich möchte so gerne als interior Designerin tätig werden, denn es würde mir auch bei meiner persönlichen Weiterentwicklung Sehr helfen. Leider weiß ich überhaupt nicht, wo ich anfangen soll bzw. was mein erster Schritt sein sollte. Ich wäre Ihnen für jeden Ratschlag von ganzem Herzen super dankbar
Liebe Grüße,
Fatima


Susanne schrieb am 11. Januar 2021 um 16:48 Uhr:

Liebe Fatima,
es ist so wichtig, dass wir unsere Arbeitszeit mit dem verbringen was uns wirklich Spaß macht und was unseren Talenten entspricht. Und wenn das nicht möglich ist, sollten wir zumindest privat einen guten Ausgleich dafür schaffen. Interior Design / Innenarchitektur setzt ein Studium voraus. Um in das Berufbild hinein zu schnuppern, bietet sich ein Praktikum in einem größeren Planungsbüro an. Oder Sie besuchen in Hannover oder in Hildesheim die FH, bzw. Uni und erkundigen sich über den Studiengang. Da gibt es zur Zeit bestimmt Online-Möglichkeiten.
Viel Glück und Erfolg!
Ihre
Susanne


Saskia schrieb am 13. Januar 2021 um 20:06 Uhr:

Hallo Susanne,

erstmal, ein sehr toller Bericht. Ich spiele mit dem Gedanken ein Fernstudium im Bereich Interior Design zu machen. Natürlich werde ich nebenbei Praktika absolvieren. Ist das ratsam oder doch eher nicht?

Liebe Grüße
Saskia


Alex schrieb am 5. Februar 2021 um 13:48 Uhr:

Liebe Susanne, darf ich als Interior Designer auch die handwerkliche Umsetzung der Inneneinrichtung realisieren oder bedarf dies der zusätzlichen Eintragung in die Handwerksrolle? Ich finde es sehr schwer hier konkret zu unterscheiden…
Freue mich daher über eine kurze Rückmeldung! Vielen Dank


Susanne schrieb am 9. März 2021 um 15:21 Uhr:

Hallo Saskia,
vielen Dank. Es ist auch wirklich ein besonders schöner Beruf, finde ich. Die beste Voraussetzung den Beruf zu erlernen, ist ein Vollzeitstudium, dort wird umfassend das Wissen vermittelt, was für den Beruf wichtig ist. Praktika sind ebenfalls Bestandteil des Studiums.
Liebe Grüße
Susanne


Susanne schrieb am 9. März 2021 um 15:25 Uhr:

Hallo Alex,
unter bestimmten Voraussetzungen ist das bestimmt möglich. Ich kenne Interior Designer, die beispielsweise auch Fassmalerei anbieten. Unter welchen rechtlichen Voraussetzungen das möglich ist, kann ich leider nicht sagen. Da kann bestimmt die örtliche Wirtschaftsförderung weiterhelfen.
Liebe Grüße
Susanne