InteriorDesignerin

Wir machen in Ferienwohnung – wenn das der Hermann Löns gewusst hätte!

11.05.2018 | Allgemein | Keine Kommentare

Hermann Löns ist im Zusammenhang mit der Lüneburger Heide fast jedem Urlauber ein Begriff. Er steht für Volkslieder und Gedichte, die mancher im schlechtesten Sinn als traditionell bezeichnen mag. Wenige wissen, dass gerade Hermann Löns bewusst mit seinen Schriften provoziert hat und dabei gern mal anzüglich unter die Gürtellinie zielte, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die ihm wichtig waren. Die Wortwahl und die Ideale sind dabei natürlich seiner Zeit (Kaiserreich) geschuldet. Aber mir geht es ja nicht um eine Hermann Löns-Debatte, sondern um das damit verbundene Lüneburger Heide-Klischee: Traditionell, piefig, altbacken, hinter dem Mond,….

 

Fuchs und Hase

….aber, die sagen sich auch hier nicht “Gute Nacht” – jedenfalls habe ich das als gebürtiges Kind der Heide bisher nicht beobachten können. Sorry, alter Hermann, aber das musste mal gesagt werden. Dafür bietet unsere Region nicht nur viel, sondern vielfältige Natur, die  jährlich zahlhreiche Urlauber hierher lockt – Tendenz steigend. Nur wohnen wollen die Urlauber heute nicht mehr wie Hermann Löns früher, oder, wie es neulich ein Gastgeber ausdrückte: ” … nicht wie in alten Kinderzimmern… .”

 

Hermann`s Gute Stube

Wenn Sie wissen wollen, wie es bei Lönsens Zuhause ausgesehen hat, dann empfehle ich Ihnen einen Besuch im Heidemuseum Rischmannshof in Walsrode. Hier ein kleiner bildlicher Vorgeschmack:

Heidemuseum Walsrode

Eben gutbürgerlich und solide. Mit dem passenden Martketing-Konzept könnte es heute glatt als vintage durchgehen und weit weg vom “altem Kinderzimmer”.

 

 

Wir machen in Ferienwohnung

Kutsch- und Planwagenfahrten durch die Region sind bei Heidetouristen sehr beliebt. Aber wussten Sie, dass neulich sogar Gastgeber, also Betreiber von Ferienunterkünften, kreuz und quer durch die Heide getourt sind? Die Lüneburger Heide GmbH und die IHK Lüneburg-Wolfsburg haben vier Hopp On-Hopp Off-Touren als IdeenWerkstatt initiiert. Es ging um Vernetzung und Austausch der Gastgeber untereinander und wie das Prinzip “Raumgestaltung als Marketinginstrument” funktioniert. Deshalb wurde ich als Expertin auf diesem Gebiet hinzugezogen und gab zum Einen Statements zu den besichtigten Räumen ab und zum Anderen stand ich für Fragen der Teilnehmer  zur Verfügung. Eine richtige IdeenWerkstatt!

Klick auf das Bild und 3 Minuten Beitrag sehen

 

Weiter geht es mit den häufigsten Fragen und Tipps, die bei den Touren aufgetaucht sind.

 

 

FAQ und Tipps

1. Was ist der Unterschied zwischen Geschmack und Stil?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, da es sich um persönliche Vorlieben und Abneigungen handelt. Stil dagegen bezieht sich auf eine charakteristisch ausgeprägte Erscheinungsform. In der Raumgestaltung bilden meist Kombinationen aus Möblierung, Farben und Materialien einen bestimmten Stil. Ob Barock, Biedermeier, Danish Design, Industrial Look oder Französischer Landhausstil, sie alle sind wie ein  Abbild einer Gesellschaft mit deren regionalen, kulturellen, … Hintergründen. Und sie verkörpern ein Lebensgefühl. Deshalb ziehen uns bestimmte Stilrichtungen in ihren Bann und andere nicht.  Diese Frage resuliert übrigens aus der Ansicht, dass Ferienräume dem Geschmack des Gastgebers entsprechen müssen, damit er sie auch gut anpreisen kann.

Fazit: Private Einrichtung ist also Geschmackssache. Für die Gestaltung von Ferienräumen dagegen, können viele Stilrichtungen in Frage kommen, je nachdem was zum Konzept passt. Die Gastgebermentalität und das Geschäftskonzept werden dabei mit einbezogen, was aber nicht zwangsläufig etwas mit dem Einrichtungsgeschmack der Inhaber zu tun haben muss.

 

Tipp für Ferienräume

Ein Ferienraum sollte dem Gast die Möglichkeit bieten, sich in kürzester Zeit zuhause zu fühlen. Ist jedes Detail nach dem Geschmack des Privathauses des Gastgebers gestaltet, bleibt der Urlauber zu Besuch. Er bekommt das Gefühl in eine Privatsphäre einzutreten. Den meisten Menschen ist das unangenehm. Außerdem möchte sich der Gast im Urlaub gern fallenlassen können. Mit dem Gefühl “zu Besuch sein” wird das schwierig werden. Deshalb gilt in Ferienräumen “weniger ist mehr” und “privat bleibt privat”. Überraschen Sie stattdessen Ihre Feriengäste mit gezielt ausgewählten Details, die eine besondere Botschaft vermitteln. Greifen Sie beispielsweise spannende Dinge aus der Region, Ihrer Mentalität als Gastgeber oder der Hofgeschichte auf. Mit einem Spritzer Humor obendrauf, bleiben Ihre Räume  bei Ihren Gästen in guter Erinnerung.

Garderobe als kreativer DIY vom Gastgeber mit gleichzeitigem regionalen Bezug

 

2. Was ist eine zielgruppenspezfische Raumgestaltung?

Zielgruppen haben bestimmte oder spezielle Gemeinsamkeiten und reagieren auf gewisse Reize in gleicher Weise. Als Gastgeber suchen Sie sich, passend zur Person, dem Standort und der Immobilie die Zielgruppe aus, die Sie ansprechen möchten. Beispiele für Zielgruppen sind: Natururlauber, Stadturlauber oder aktive Menschen, die das Abenteuer lieben. Versuchen Sie sich in die Persönlichkeiten hinein zu versetzen. Welche Charaktere stecken dahinter? Was treibt sie an? Welche Werte sind diesen Personen wichtig? Genau wie bei Ihnen persönlich, lassen sich daraus Rückschlüsse für die Zusammenstellung von Farben, Formen und Materialien ziehen.

Fazit: Wenn Sie wissen, wie Ihre Wunschgäste ticken, fällt es leichter die Raumgestaltung darauf abzustimmen.

 

Tipp für Ferienräume

Um den Vorlieben Ihrer Zielgruppe auf die Spur zu kommen, helfen branchenspezifische Marketing-Analysen. Die finden Sie beispielsweise auf  Tourismus in Niedersachsen, oder im Markenhandbuch der Lüneburger Heide GmbH. Informationen zum Thema Tourismus gibt es auch bei Ihrer örtliche IHK und bei  Tourismus-Verbänden. Wenn Sie bereits Erfahrungen als Gastgeber haben, können Sie die Ergebnisse Ihrer Bewertungen nutzen oder Sie starten selbst eine Umfrage.

Nehmen wir eine Zielgruppe genauer unter die Lupe. Der Natururlauber bevorzugt, Sie ahnen es fast, Naturmaterialien, also solche Materialien, die natürlichen Ursprungs sind, wie etwa Parkett. Lassen Sie sich nicht dazu verführen stattdessen ein Material zu verwenden, das Holz imitiert, denn der ausgeprägte Sinn für den Schutz der Umwelt und das Bewahren von Traditionen würde dem entgegen stehen. Dieser Urlauber zieht einen alten Dielenboden mit Patina, jedem hochtrabenden Design vor. Wenn Sie dazu noch eine spannende Geschichte zu erzählen haben, wird dieser Gast begeistert sein.

 

3. Wie, keine Haken?

Ferienräume sollen nicht nur optisch und gefühlsmäßig in den Bann ziehen, sondern auch praktisch sein. Manche Sache hat dabei einen Haken. In Ferienräumen ist das sogar wünschenswert und praktisch, beispielsweise im Bad oder im Schlafraum. Leider fehlen besagte Haken häufig gerade dort. Da die wenigsten Besitzer in ihren Ferienräumen wohnen, flutschen diese Details schon mal durch. Denn erst in der Praxis zeigt sich, ob alles praktisch bedacht wurde. Folgender Tipp kann helfen.

Optisch sehr kreativ, aber wo ist Platz für Schminktäschchen, Rasierapparat und Co.?

Tipp für Ferienräume

Eine einfache Möglichkeit solche Dinge nicht zu vergessen ist, an die eigenen Ferienaufenthalte zu denken. Wo hat Ihnen dort etwas gefehlt oder Ihr Wohnen auf Zeit gestört? Was fanden Sie besonders praktisch? Wie wäre es mit einem Perspektivwechsel, wenn Sie durch die Ferienräume gehen? Spielen Sie währenddessen in Gedanken jede Ferienwohnsituation durch. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Ihnen auffällt, was an welcher Stelle gebraucht wird und ob etwas fehlt. Noch einfacher: fragen Sie bei Ihren Gästen nach.

 

So viel Umsicht und Achtsamkeit, um Urlaubern eine besondere Zeit in außergewöhnlicher Umgebung zu bereiten hätte Hermann Löns sicher gefreut. Und sollten Sie Fragen haben, oder eigene Erfahrungen teilen wollen, schreiben Sie gern einen Kommentar. Vielleicht wollen Sie auch mehr praktische Tipps zur Raumgestaltung mit Marketingfaktor? Wie wäre es mit einem Mitmach-Vortrag? Rufen Sie mich gern an!

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

Tel.: +49 5141 278 65 08



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