InteriorDesignerin

Wohntrends 2016 und das Gras wachsen hören

05.11.2015 | Einrichtungstipps | Keine Kommentare

I`m so (wohn) trendy? Yeah!

Am Anfang meiner Selbständigkeit habe ich regelmäßig über die neuesten Wohntrends berichtet. Ich dachte, als Interior Designerin muss ich immer “up to date” sein und da gehört dieses Thema am Jahresende oder Jahresanfang einfach dazu.  Aber was sagen Wohntrends schon aus? Sind sie eher ein Marketinginstrument, um Konsumenten zum Kauf sogenannter “must haves” zu animieren? Sind sie Inspirationsquelle, für alle, die gern mit ihren vier Wänden experimentieren? Sind Wohntrends, wie eine Stilikone und bestimmen die aktuellen Statussympole, die jeder braucht, um dazu zu gehören? Ein Klischée, jagt das nächste!

Also, für mich sind Wohntrends ein Spiegel der Gesellschaft und Inspirationsquelle zugleich. Trendforscher sind die Beobachter. Sie tragen Ihre Beobachtungen zusammen und geben dann Prognosen ab, was, wann, wer wo,….. zu welchem Thema auch immer. Trendforscher, verzeiht mir, für die sehr vereinfachte Darstellung Eurer wissenschaftlichen Arbeit!

Bei den Wohntrends der vergangenen drei Jahre zeigt sich, was die Menschen im Aussen nicht leben können. Landflucht und Leistungsorientierung brauchen ein Ventil. Und das sehen wir, meiner Meinung nach, in den jetzigen Wohntrends. Wohnen wird naturbezogener und hat mehr mit Geborgenheit und Persönlichkeit zu tun, die sich ausdrücken darf und soll.  Werfen wir jetzt einen Blick auf die Trends von 2016.

 

 

 

Hey, Trendforscher! Was geht 2016?

Der Lack ist ab. Und zwar buchstäblich, denn Wohnambiente zeigt Patina und zwar mit Freude und voller Absicht, auch 2016 wieder. Gebrauchsspuren sind erwünscht und willkommen und zeugen von der lang` gehegten Nutzung eines Wohnstücks. Es menschelt. Schluss mit dem technischen Perfektionismus vergangener Zeiten und aaltglatten Oberflächen in durchgestylten Wohn(t)räumen. Räume werden gelebter Ausdruck individueller Persönlichkeiten mit allen Ecken und Kanten, Schrammen und Macken. Nennt sich Shabby Chic, Used Look, Industrial Style,Urban,… Palettenmöbel, Möbel aus alten LKW-Aufbauten und Recyclingholz, Treibholz oder Wurzeln, alles wird irgendwie als Möbel verwurschtelt oder mit entsprechenden Farbtechniken aufgearbeitet. Sogar Tante Käthe`s Eiche brutal Kommode erstrahlt in neuem Glanz und findet wieder Fans.

Tipp: Achten sie darauf, woher die Dinge stammen.  Nicht jedes Material war zuvor für den Innenraum gedacht und ist entsprechend gegen Schädlinge behandelt oder lackiert worden. Diese Mittel dünsten in Räumen aus. In anderen Ländern gelten andere Bestimmungen, was Inhaltstoffe von Lacken, usw. betrifft. Werden dort aus solchen Materialien Möbel gefertigt, stellen sie sich u. U. jede Menge gesundheitliche Belastung in ihre Räume. Und a propos Tante Käthe`s Kommode: die lässt sich prima mit Annie Sloan Chalk Paint oder mit Miss Mustard Milk Paint aufhübschen.

 

 

Schischi, Klüngel und Co. – Trends 2016

Details, sprich Accessoires oder “Schischi” sind wieder der Inbegriff der Gemütlichkeit. Mal unter uns: jeder Raumplaner, Interior Designer oder Innenarchitekt muss jetzt unweigerlich schmunzeln, denn das war bereits Bestandteil unseres Studiums. “Details geben einem Raum die besondere Note und machen Räume lebendig”, sagen die Gestaltungsrichtlinien.

Heimelige Decken und jede Menge Kissen dürfen also auf keinem Sofa fehlen. Gern mit Fotodruck mit Naturmotiven oder aus grobem Strick oder Kunstfell. Dekorationen mit Kerzenleuchtern, Porzellanfiguren und Holzschalen – alles als Gruppendekoration und schon haben sie ihren Räumen Seele eingehaucht.

Tipp: Schauen sie doch mal in Oma`s Keller oder auf Fohmärkten und in sozialen Kaufhäusern, dort gibt es jede Menge Vintage-Klüngel, mit dem sich skurrile Dekorationen zusammenstellen lassen. Eine Gruppe wirkt übrigens besonders schön, wenn sie aus einer ungeraden Anzahl besteht.

Foto: Susanne Schreiber-Beckmann

Foto: Susanne Schreiber-Beckmann

Foto: Susanne Schreiber-Beckmann

 

 

Jetzt noch ein bischen Farbe…

…denn für alle Farbbegeisterten gibt es ebenfalls einen Trend – nennt sich “je nach Thema”. Nein, im ernst. Sie findeen für die Farbtrends 2016 Begriffe wie “Deep Jungle” oder “Fresh Kitchen”. Einfach zusammengefasst: sie haben ein Lieblingsthema, z. B. Meer? Na, dann nehmen sie alle Farben, Materialien und Formen, die mit dem Meer, Strand,usw. zu tun haben, einschließlich Möwen, Leuchttürme und/oder Treibholz oder was sie damit verbinden. Ob in der pastelligen oder knalligen Farbversion bleibt ihrem persönlichen Geschmack überlassen. Fertig ist die Trendeinrichtung. Fresh Kitchen ist übrigens die leuchtende Farbgebung frisch aus dem Obst-und-Gemüse-Fach, einschließlich Bilder. Das Prinzip ist alt, aber die Bezeichnungen sind auf jeden Fall Trend.

 

 

Da war noch was mit Gras

Stimmt! Sie sehen, Trends sind lustig, was die Bezeichnungen betrifft und die Bilder dazu geben Inspirationen. Aber wirklich neu ist das Prinzip nicht. Das Rad ist eben schon erfunden. Seit einigen Jahren geht es um den persönlichen Ausdruck in Räumen. Natürlich wollen moderne Menschen ihre Individualität ausdrücken – irgendwo, irgendwie. Menschen brauchen Geborgenheit, Vertrauen, Sicherheit,… das sagte schon Herr Maslow mit seiner bekannten Bedürfnispyramide. Lassen sie sich also nicht beirren und leben sie IHREN persönlichen Wohntraum. Trends hin oder her. Aber wie findet sie zu IHREm Wohntraum? Tja, und jetzt kommt die Sache mit dem Gras wachsen hören. Sie tun also so, als würdet sie das Gras wachsen hören und hinterfragen ihr Wohnen mit allen Sinnen. Folgende Fragen als Hilfestellung:

Was spüren sie, wenn sie die Matrialien in ihren vier Wänden berührt? Fühlen sie sich ohne Kompromisse wohl damit?

Was sehen sie, wenn sie verschiedene Perspektiven in ihren Räumen einnehmen? Was gefällt ihnen besonders daran und was nicht?

Was geschieht mit ihrer Stimmung, wenn sie sich bewusst an verschiedenen Plätzen innerhalb des Hauses oder der Wohnung aufhalten, allein oder mit anderen?

 

 

Sherlock bringt es ans Licht

Fühlen sie sich wie Detektive und führen sie  zusätzlich für einen kurzen Zeitraum (4 Wochen) ein  Wohntagebuch. Damit entlarven sie faule Kompromisse, die sie eingegangen seid und finden heraus, wie genau sie Dinge im Wohnalltag handhaben. Alles was GeWohnheit ist, rückt damit ins Bewusstsein. Schreiben sie ALLES  auf, auch wenn es ihnen komisch erscheint. Wichtig ist, dass sie sich Zeit nehmen und ehrlich mit sich sind. Alles darf sein und Geld spielt zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Notieren sie jede Kleinigkeit, aber ohne jegliche Bewertung. Nichts wird diskutiert. Dann geht es an die Analyse.

 

 

 

Kombiniere…

Die positiven und negativen Ergebisse ordnen sie am besten in eine Tabelle – am besten gleich nach Prioritäten. Sie leben nicht allein? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt die einzelnen Punkte zu besprechen und Kompromisse zu finden, mit denen alle zufrieden sein können.

 

 

 

Pläne schmieden und umsetzen

Ihre  Änderungswünsche sind nun konkret. Jetzt erkennen sie, wo sie buchstäblich zupacken müssen und was zu ändert ist. Je nach Anspruch und Umfang der Änderungen, ist jetzt auch der Zeitpunkt Zahlen ins Spiel zu bringen. So können sie abwägen, was sie wann und wie umsetzen möchten und können. Probieren sie  zunächst die kleinen Veränderungen: aussortieren, umstrukturieren, Möbel rücken, Dekoration verändern, Zimmertausch. Mit diesen Maßnahmen bekommen sie schnell ein ganz neues Wohngefühl.

 

 

Diese Analyse ist mehrfach verwendbar, denn sie enthält ihre persönlichen Vorlieben, Abneigungen und Wohnbedürfnisse. Ganz schön nachhaltig, oder? Es lohnt sich also, die Zeit zu investieren. Und sie werden sehen, es macht sogar Spaß!

Schreiben sie gern ihre Erfahrung als Kommentar. Teilen geht auch… ich freue mich drüber!

Ihre

Susanne Schreiber-Beckmann

(Wohncoach für faule Wohnkompromisse)

 

In Sachen Farben findet Ihr in diesem Artikel hilfreiche Tipps: Frag`doch mal die FARBE

 

 

 



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